Gesundheit





HCM1  und weitere Erkrankungen



HCM = Hypertrophe Kardiomyopathie ist eine nicht nur, aber insbesondere  bei Maine Coon Katzen häufig vorkommende Herzkrankheit, die evtl.  schon in jungen Jahren zum Tod führt. Ein Gentest für die entsprechende Mutation ist verfügbar und sollte bei Zuchtkatzen gemacht werden. Das Ergebnis kann dabei entweder HCM/HCM , HCM/N oder N/N sein. Ein Zuchttier sollte nach Möglichkeit  N/N sein, also von beiden Elternteilen NICHT die Veranlagung für HCM geerbt haben. Eine Katze, die HCM/HCM ist, vererbt die Mutation zu 100% an ihre Nachkommen. Ist sie HCM/N beträgt die theoretische Wahrscheinlichkeit noch 50%. Ist sie N/N, ist die Mutation nicht vorhanden und kann auch nicht vererbt werden. Bei reiner Zucht mit N/N Elterntieren sind die Kitten zu 100% auch N/N, haben also kein Risiko, die vererbbare Mutation für HCM1 zu tragen. Trotzdem kann es im Einzelfall vorkommen, dass eine genetisch gesunde Katze eine pathologische HCM entwickelt. Es gibt viele (durchaus auch nicht genetische) Möglichkeiten, wie ein Herzmuskel zu Schaden kommen kann (Bluthochdruck oder Diabetes z.B. ). Wäre aber bei nicht genetischer Ursache genau wie z.B. ein Beinbruch nicht vererbbar (Gentest negativ, Befund im Schall positiv). Trotzdem sollte natürlich das betroffene Tier nicht (mehr) zur Zucht eingesetzt werden. Auch wenn es die Krankheit nicht vererben kann, ist der Zuchteinsatz doch eine körperliche Belastung, die einem herzkranken Tier nicht zugemutet werden sollte. Es gibt zwei weitere bekannte HCM Defekte, die allerdings anderen Rassen zuzuordnen sind.  Der Gentest kann folgende Ergebnisse bringen:



n/n = das getestet Tier ist anlagefrei, hat also von beiden Elterntieren NICHT die  krank

machende  Mutation geerbt, wird nicht daran erkranken  und kann sie zu 0% vererben.

Nachdem  HCM  ein  Herzmuskelschaden   ist,  kann  eine   HCM  dennoch   aufgrund

anderer, auch nicht genetisch bedingter,  Ursachen im Lauf des Katzenlebens entstehen.


hcm/n = das getestete Tier hat von einem Elternteil die  Mutation für HCM geerbt, vom

anderen  nicht.  Das  Tier  kann  an  HCM  erkranken und  die Mutation  vererben. Das

Risiko    für    die    Nachkommen,   die    Mutation   von  diesem  Elternteil   zu   erben,

liegt  statistisch  bei  50%.  Was  nicht   heißt,  dass  50%  der  Nachkommen  erkranken ,

sondern  dass  sie  das  Risiko  tragen  evtl. zu  erkranken. Einfache Trägertiere  können

vorübergehend  in  der  Zucht  bleiben  um  hcm freien Nachwuchs heranzuziehen und

weiteres  wichtiges  Genmaterial  nicht  ersatzlos  zu  verlieren, sollten aber ausscheiden

sobald aus der Linie anlagenfreie Nachwuchstiere  für die Weiterzucht hervorgegangen

sind.


hcm/hcm = das  getestete  Tier  hat  von  beiden  Eltern  die  Mutation für HCM geerbt,

die  Wahrscheinlichkeit,   dass  es  frühzeitig  erkrankt,  ist   sehr  hoch.  Es   vererbt  die

Anlage  zu  100%  an  seine  Nachkommen.  Selbst  bei einer Verpaarung mit einem n/n

Partner   sind   alle   Nachkommen   hcm/n.   Mit   einem   hcm/hcm  Partner   sind   alle

Nachkommen  100% hcm/hcm.  Auch  diese  Tiere  sind  in  der  Regel  beim  Schall mit

1   oder  2   Jahren    noch   unauffällig   und   verbleiben   als   gesund   in   der   Zucht!!!

Die  Verpaarung von  zwei  hcm/hcm  Partnern   gehört    meiner   Meinung   nach    mit

     einem   Zuchtverbot   belegt.



Es gibt zwei Möglichkeiten des HCM Nachweises. Gentest, und Ultraschall. Beides hat seine Befürworter. Beim negativen Schall kann die Katze trotzdem die Krankheit vererben, wenn sie genetisch vorhanden, aber noch nicht offensichtlich ist. Beim negativen Gentest ist dieses Risiko für die getestete Mutation nicht vorhanden. Nun gibt es vielfach auch die Ansicht, der Gentest wäre sinnlos bzw. überflüssig, weil es ja über 150 Gene gibt, die mit HCM in Zusammenhang gebracht werden könnten. Außerdem gibt es Auslöser, die nicht genetisch bedingt sind. Gerade für die Maine Coon ist aber überwiegend die Mutation A31P (HCM1) relevant, welche für rund 80% der HCM Erkrankungen bei der Coonie verantwortlich ist. Diese Mutation kann man testen. Nicht genetische Ursachen testet der Gentest natürlich nicht, diese sind aber auch nicht vererbbar. Es macht für mich keinen Sinn, die Aussagekraft des Testergebnisses zu schmälern, indem man 100% Sicherheit durch die möglichen genetischen Anlagen teilt und somit auf eine Aussagekraft von unter 1% herunterrechnet. Ich habe mit dem Test eine rechnerische Zuverlässigkeit von 80%, dass meine negativ getestete Katze keine HCM bekommen wird,  mehr ist nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht möglich.  Es gibt HCM positive Katzen, die nie im Leben pathologische Symptome entwickeln. Reinerbigkeit scheint allerdings das Risiko des Erkrankens deutlich zu erhöhen, wie auch die sehr früh diagnostizierten Fälle bei Katzen unter einem Jahr fast ausschließlich reinerbige Katzen sind. Seltsamerweise sind es oft gerade die Züchter der sehr großen Maine Coon Exemplare, die den Gentest vehement ablehnen, wie die Katze um den heißen Brei herum schleichen um sich aus der Affaire zu ziehen, und mit wohlklingenden Worten verdrehte Argumentationsketten liefern und ausschließlich den Schall zur Diagnose nutzen. Warum wohl? Evtl. weil es durchaus einen Zusammenhang zwischen den auf Maximum hochgepushten Katzen und dem gehäuften Auftreten von HCM gibt?  Wer einen 15 Kilo Kater sucht, kann von mir aus gerne wo anders hin gehen, Interessenten, denen das beeindruckende Gewicht ihrer Katze wichtiger ist als ihre Gesundheit, sind bei uns fehl am Platz und unerwünscht. Ich finde sie auch schön, diese Mega-Katzen, ganz klar. Aber ein gesundes Katzenleben ist mir doch wichtiger als die zweifellos beeindruckende Optik. Ich denke aber, ein Kater mit 8 - 10  Kilo ist auch schon ein imposantes Wesen und groß genug.  Leider ist die Mutation inzwischen in der Maine Coon Population durch den viel zu begrenzten Genpool derart häufig, dass ein sofortiges Ausscheiden aller Trägertiere evtl. den Zusammenbruch der Maine Coon Zucht an sich bedeuten würde. Es sind nun die Züchter in der Pflicht, für Auswege aus der Sackgasse zu sorgen und frisches Genmaterial OHNE die Mutation aufzubauen, bzw. Nachwuchs aus mischerbigen Verpaarungen zu testen und nur mit "sauberen" Tieren weiter zu züchten, damit das Problem langfristig eliminiert werden kann.   Ich freue mich zu sehen, dass inzwischen einige, auch namhafte, Catterys bestrebt sind, das Problem HCM anzugehen und hier schon  Erfolge zu verzeichnen sind. 


 

Das Thema HCM sorgt regelmäßig für Zündstoff in verschiedenen Personenkreisen, vor allem bei Züchtern untereinander. Ich bin nicht bereit, meine Ansicht darüber zu diskutieren, es liegt mir aber fern, Personen mit anderer Meinung anzugreifen, wie das in der Züchtergemeinde allgemein üblich ist. Gerade Züchtern ist viel daran gelegen, die Aussagekraft des Schalls zu bevorzugen, denn dann können viele  Trägertiere jahrelang als unauffällig  in der Zucht behalten werden und viele hübsche, aber möglicherweise kranke Babys produzieren. Es ist übrigens nicht korrekt, eine negativ geschallte Katze als n/n zu bezeichnen. Lediglich "negativ geschallt" darf dann verwendet werden. Denn n/n kann nur der Genetest bestätigen (n  steht für normal, also Wildtyp, und es ist jeweils ein Alleel von der Mutter und eins vom Vater vorhanden, darum muss  zwei mal n stehen um den Nachweis zu haben, dass der Gendefekt nicht im Körper vorhanden ist.  Nachkommen von  zwei n/n Elterntieren sind in aller Regel  immer auch  n/n, die Befunde der Eltern sind also durchaus ausreichend. Spontane Mutationen allerdings können theoretisch aber niemals zu 100% ausgeschlossen werden, auch wenn die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering ist.


 

Der Kardiologe verdient an jeder einzelnen Zuchtkatze, die bei ihm jährlich geschallt wird, während ihrer Zuchtlaufbahn mindestens 1000 Euro. Die Kardiologen haben ein relativ großes Einzugsgebiet, denn sie sind eher dünn gesät. Fallen dem Kardiologen (bzw. Tierarzt) 100 Zuchtkatzen als regelmäßige Kunden aus, weil sie n/n gengetestet wurden, verliert er dadurch 100.000 Euro! Der Schall bietet jährlich ein Millionenpotenzial für "die Fachleute", es ist natürlich in deren Interesse, die Notwendigkeit mit (natürlich unabhängigen *grrrr*) Studien zu belegen. Es gibt auch andere Studien, die zu völlig anderen Ergebnissen kommen, z.B. die der Labore (wobei natürlich auch das Labor das Interesse hat, Tests durchzuführen, ganz klar).Völlig interessensfrei unabhängige Studien gibt es in der Regel gar nicht, denn die Studie und deren Auswertung muss bezahlt werden, und das tut nur derjenige, der ein Interesse an einem Ergebnis in seinem Sinne hat.  Ich kann als Züchter keine Garantie geben, dass unsere Abkömmlinge niemals eine HCM entwickeln werden, genau wie ich nicht garantieren kann, dass sie niemals in ein Auto laufen oder sich kein Bein brechen. Ich kann nur versuchen ein Maximun an Sicherheit mit Hilfe der Gentests zu erzielen. 


Den Test auf SMA (spinale Muskelatrophie) halte ich für weniger relevant, da  SMA anders als HCM auch nur bei reinerbigen Tieren auftritt (rezessiv)  und mischerbige Tiere nicht erkanken. Getestet wurden unsere  Deckkater Tapsy, Angelo, Jamie, Rocco,  Falco, Chio, Sultan und Rio alle   sind  n/n, haben also den Gendefekt nicht,  somit erübrigen sich derzeit eigentlich  Tests bei den Mädels.  Zwischendurch wird bei Laboklin allerdings ein Testpaket Erbkrankheiten Maine Coon angeboten in dem der SMA Test enthalten ist, dieses Testpaket nutzen wir natürlich auch, bisherige Ergebnisse waren stets n/n.


PKD (polyzystische Nierenerkrankung) ist eigentlich eine typische Perser-Krankheit die dort bei ca. 25% der Katzen auftritt und für das frühzeitige Versterben der Katzen (insbesondere Kater) an Nierenversagen verantwortlich ist. Durch frühere, offenbare oder heimliche, Perser-Einkreuzungen wurde PKD inzwischen auch in der Maine Coon Population festgestellt. Getestet wurden Deckkater Virgin,  Chio, Sultan und Rio, Ergebnis  n/n, wobei dieser Test m. E. n. wenig Sinn macht, denn er ist nur für perserartige Katzen validiert und somit würde ein positives Ergebnis nicht nur die Erkrankung, sondern vermutlich auch eine Persereinkreuzung belegen.  Für die Rasse Maine Coon ist ein solcher Test noch nicht vorhanden.  Selbst eine Maine Coon mit PKD würde beim Test evtl.  als sauber durch gehen, weil sie eben halt keine Perser ist und der Test nur bei  Perserartigen einwandfrei funktioniert.


Alle unsere Katzen sind frei von PL (Patella-Luxation, bzw. heraus springende Kniescheiben) und HD (Hüftgelenksdysplasie).


FeLV, FiV, FPV, FHV usw.  testen wir gelegentlich  in Stichproben, bisher immer negativ.   Zufällige Auswahl der Testkandidaten. Letzte große Testreihe an   Hushpaws Macchiato. Chlamydien PCR  negativ. Herpes PCR negativ. Calicivirus PCR negativ. Bordetella  PCR negativ. Parvo PCR negativ.   Letzte Kotuntersuchunen   im August 2018, Mischkot Kitten: Giardia negativ, Parasiten (Wurmlarven, Proglottiden, Amöben, Lamblien, Kokzidien und andere pathogene Protozoen) negativ. Salmonellen negativ. Campylobacter negativ. Yersinien negativ.  März 2019, getestet wurde Soraya Nikita, 5 Monate alt:  Felines Parvovirus (Katzenseuche)  negativ, Giardia negativ, Parasiten (Wurmeier, Wurmlarven, Proglottiden, Amöben, Lamblien, Kokzidien und andere pathogene Protozoen) negativ. Kultur Clostridien negativ. Wir testen  nicht immer das Selbe sondern variieren immer etwas. 


Bei uns wird nicht grundsätzlich jede Katze auf alles getestet, es muss schon auch Sinn machen. Es macht z.B. keinen Sinn, die Nachkommen von HCM n/n Elterntieren auf HCM zu testen, denn diese können genetisch nichts anderes als n/n sein. Wann welcher Test im Interesse meiner Zucht Sinn macht, und wann nicht, entscheide ich nach freiem Ermessen.  Konstruktive Kritik nehme ich gerne an, vorausgesetzt, dahinter steht eine unwiderlegbare Argumentationskette. Aus dem Internet gezogenes Halbwissen, persönliche Vorlieben oder hochmoralische Ansprüche, die von 99 % der Menschheit selber  nicht erfüllt werden können,  reichen mir als Argument allerdings nicht. Auch ich bin nur Mensch und Menschen machen Fehler. Im Sinne der Zucht garantiert nicht mit Absicht. Dennoch ist der Weg der Zucht ein immer währendes dazu lernen und der Weg ist nie zu Ende, es ist also durchaus möglich, dass sich die Ansichten eines Züchters zu bestimmten Themen im Lauf des Wissenszuwachses und evlt. neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse im Lauf  der Jahre verändern.   


Insgesamt sind alle Testergebnisse, außer den Gentests welche dauerhaft Bestand haben, immer nur Momentaufnahmen vom Zeitpunkt der Probenentnahme.  Was genetisch getestet wurde kann ich garantieren, Infektionskrankheiten, Keime, Viren, Bakterien, Parasiten  aller Art, bzw. das Fehlen dieser, kann ich NICHT garantieren, denn ich bin kein Hellseher.  Ich kann  heute nicht sehen ob mir der Besucher von gestern oder die von der Katze  gefressene Mücke einen Keim mit ins Haus gebracht und auf ein Tier übertragen hat, dieses Risiko ist einfach nicht ausschließbar.   Mensch und Tier leben mit einer Vielzahl an Keimen in Harmonie, ohne Bakterien wären wir z.B. überhaupt nicht lebensfähig.  Es kann aber auch passieren, dass ein Keim welcher Art auch immer ein einzelnes Tier krank werden lässt.  Dies sollte jedem Käufer eines Lebewesens bewusst sein.  Ist man nicht bereit  dem Leben Leben zuzugestehen, sollte man von der Anschaffung eines Haustieres absehen und statt dessen lieber auf  desinfizierbare oder bei Kochwäsche waschbare  "Hausgenossen"  setzen. Mit dem Kauf eines Haustieres erwirbt man kein Anrecht auf Perfektion, perfektes Leben kann man nicht erkaufen. Wir Züchter tun unser Bestes,  gesunde, starke Tiere abgeben zu können.  Und meistens gelingt uns das auch.  Eine 100% Quote schafft aber kein Züchter auf Dauer. Genau wie kein Arzt jede Krankheit heilen, oder keine Hebamme nur gesunde Kinder auf die Welt holen kann. Keiner sagt dann, das ist die  Schuld des Arztes oder die Schuld der Hebamme. Aber der Züchter ist immer schuld wenn ein Tierchen nicht lebenslang perfekt ist :) Warum? Weil man für das Tier ja schließlich Geld bezahlt hat.